Folge 43: Der Blick hinter die Fassaden
Shownotes
1980 in Warendorf: Etliche historische Häuser sind in desolatem Zustand. Kaum jemand interessiert sich für sie, also könnten die Gebäude aus dem 17. oder 18. Jahrhundert doch auch einfach weg? Platz schaffen für eine schöne breite Straße, damit der Autoverkehr gut fließt! Die Logik ist zeitgemäß, doch es regt sich Widerstand. Die Altstadtfreunde Warendorf treten auf den Plan und sorgen nicht nur für einen Sinneswandel in der Stadtgesellschaft, sie befreien auch wunderschöne Fachwerkfassaden aus dem Dornröschenschlaf, und entwickeln ein Konzept, das den Bürgerinnen und Bürgern die historischen Schätze ihrer Stadt ganz neu zugänglich macht: ein Museum, in dem man hinter die Fassaden schauen und authentische Räume erleben kann. Orte, an denen Menschen schon vor Jahrhunderten gelebt und Spuren hinterlassen haben.
Wer zum Beispiel das Gadem betritt, ein kleines Arbeiterhäuschen am Rand der Altstadt, steht mitten im Leben zweier sehr armer Familien im Jahr 1925. Jeder Gegenstand hier fügt sich historisch und atmosphärisch ein, erzählt aber auch vom Engagement und vom Fachwissen, das durch die Altstadtfreunde Warendorf mit eingezogen ist. Das gilt auch für das klassizistische Bürgerhaus, wenige Straßen weiter, wo eine Bildtapete aus dem 19. Jahrhundert ihre wundersame Geschichte erzählt, wo aber auch Konzerte stattfinden und zum geselligen Treffpunkt werden. Besonders auffallend aber: Wann immer man Altstadtfreunde trifft, bekommt man Altstadtfreude zu spüren.
Die NRW-Stiftung hat sich schon früh begeistern lassen für die vielen guten Ideen und im Lauf der Jahrzehnte diverse Projekte mitfinanziert. Völlig klar, dass diese Geschichte weitergeht, sie ist einfach gut.
Host: Marija Bakker
Studiogast: Cristina Costas, Altstadtfreunde Warendorf e. V.
NRW-Stiftung: Mona Wehling, Heimat- und Kulturpflege
**In Warendorf: **Alfred Smieszchala, Laurenz Sandmann, Bettina Sallermann, Altstadtfreunde Warendorf e. V.
**Produktion: **Tizian Satlek, sounds fresh Tonstudio
**Weiterführende Links: **Infos zu allen Orten des dezentralen Stadtmuseums Warendorf und zur Arbeit des Vereins www.altstadtfreunde-warendorf.de
Infos zur Nordrhein-Westfalen-Stiftung, Antragsformulare, Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner www.nrw-stiftung.de
Direkt zum Förderprojekt www.nrw-stiftung.de/entdecken/foerderprojekte/dezentrales-stadtmuseum-in-warendorf.html
Transkript anzeigen
00:00:00: Hier kann man wirklich aus allen sozialen Schichten Gebäude sehen.
00:00:03: Man sieht Straßenzusammenhänge, man begreift die Geschichte.
00:00:07: In sechshundert Jahre kann man immer was erzählen und auch immer das sehen, was man erzählt.
00:00:12: Das ist auch eigentlich der Nährboden für das Dezentrale Stadtmuseum.
00:00:14: Was ja nichts weiter ist als ein freilichen Museum, nur anders als auf der grünen Wiese.
00:00:33: Herzlich willkommen zu dieser ersten Förderbande-Folge im neuen Jahr.
00:00:37: ... wird für die NRW-Stiftung ein besonderes Jahr, denn sie feiert ... ... vierzig Jahre tolles Engagement im Land.
00:00:45: Mit langjährigen Wegbegleitern und großartigen Projekten.
00:00:49: Und manche davon sind seit den frühen Jahren bis heute dabei.
00:00:54: Zum Beispiel die Altstadtfreunde Warendorf und ihr dezentrales Stadtmuseum, um das es heute gehen wird.
00:01:00: Ich bin Maria Backer und freue mich auf eine Tour, die zwar durch sechshundert Jahre Stadtgeschichte führt, aber sehr einladend in der Gegenwart verankert ist.
00:01:09: Davon konnte ich mich vor kurzem schon bei einem Besuch überzeugen.
00:01:15: Willkommen in Warnhoff.
00:01:16: Ja, danke
00:01:17: schön.
00:01:18: Schmuck hier.
00:01:20: Bisschen, ja, genau.
00:01:21: Auf dem schönen Marktplatz vor dem historischen Rathaus holt mich Alfred Schmischalla vom Verein Altstadtfreunde Warndorf ab.
00:01:28: Um uns herum lauter historische Fassaden.
00:01:31: Daran stehen prominent die Baujahre.
00:01:42: Ich kenne den Platz, habe hier schon öfter mal im Café gesessen.
00:01:46: Aber heute werde ich alles mit neuen Augen sehen lernen.
00:01:50: Schon am Anfang geht es anders los als erwartet.
00:01:52: Wir lassen das historische Rathaus und den ganzen Markt einfach links liegen.
00:01:57: Das ist so ein Teil, wo sich die Allstafffreunde nicht drum kümmern müssen.
00:02:01: Der läuft von selbst?
00:02:02: Genau.
00:02:03: Der ist immer schon gut gepflegt worden über die Jahrhunderte.
00:02:07: Wir können zu einigen Objekten jetzt gehen, die wir uns anschauen können.
00:02:11: Wenn wir woanders hingehen, verpass ich da heute nix.
00:02:14: Sie verpassen immer was in Warnendorf.
00:02:16: Alfred Schmischaller muss es wissen.
00:02:18: Er lebt seit vieles in der Stadt.
00:02:21: Da ist er siebzehn und engagiert sich sofort bei den Altstadtfreunden.
00:02:25: Das prägt auch seine Berufswahl.
00:02:27: Er arbeitet als Techniker für Bau-Denkmalpflege beim Kulturbüro der Stadt Warendorf.
00:02:33: Im Vereinsvorstand ist er ehrenamtlich.
00:02:36: Unser erster Stop kommt schon nach zweihundert Metern in einem kleinen Haus in einer Seitengasse.
00:02:41: Herzlich
00:02:41: willkommen in der Schaltzentrale.
00:02:43: Hier sind wir in unserer Bibliothek und im Besprechungsraum.
00:02:47: Sie sehen das Werkzeug noch auf dem Tisch mit dem Eingangsbuch, Zollstock und alles, was dazugehört.
00:02:55: Ankommende Objekte, die Allstaschfreunde oder das Dezentrale Stadtmuseum beschenkt bekommen, inventarisiert.
00:03:02: Es
00:03:02: sieht nach einer normalen Dreizimmerwohnung aus.
00:03:04: Allerdings stehen an jeder Wand hohe Regale rappelvoll mit Gegenständen, Kartons oder Büchern.
00:03:11: Was haben Sie da in der Hand gehabt?
00:03:12: Das ist
00:03:13: ein Gemälde
00:03:14: gewesen, was wir da haben und verschiedene Fotografien, aber auch solche Sachen wie Seifen, wie wir es jetzt hier mal gesehen haben.
00:03:23: Das sind eben Objekte, die es nicht mehr gibt.
00:03:26: Eine Seife der Marke Lux in rosa Glanzpapier.
00:03:29: Auch wenn ihr Duft längst verflogen ist, strahlt sie noch die Brüde eleganz vergangener Tage aus.
00:03:35: Flegen
00:03:36: Sie Ihren Tarn mit Lux wie Filmstars in aller Welt.
00:03:41: Keine fünf Minuten in diesen Räumen und aus den Regalen fängt es an zu wispern.
00:03:46: Jedes Ding buhlt um Aufmerksamkeit, will seine Geschichte erzählen.
00:03:51: Eine historische Postkartensammlung grüßt mit Motiven der Warendorfer Hengstparaden.
00:03:57: Eine Tüte feingewalster Rippentabak aus Bünde.
00:04:00: Hat mal für häusliche Gemütlichkeit gesorgt.
00:04:03: Und ein uralter Feuerlösch-Eimer aus Weidenroute und Segeltuch hat die Erinnerung an große Stadtbrände in sich eingewebt.
00:04:11: Wir hatten vier insgesamt, den ersten, den letzten.
00:04:17: Da hat man versucht, mit diesen Eimern den Brand zu löschen.
00:04:22: Müssern muss das gewesen sein.
00:04:24: Und die Gefahr allgegenwärtig.
00:04:26: Das liegt an der Bauweise der Häuser.
00:04:28: Im Mittelalter viel mit Stroh- und Stroh-Docken gearbeitet im Dach.
00:04:32: Wenn so eine Katze den Schwanz zu nah ans Feuer hielt.
00:04:36: Ist sie geflüchtet an den höchsten Punkt im Haus und hat dadurch dann die Dachhaut quasi in Brand gesetzt.
00:04:43: Und der Funkenflug ist dann über die Häuser am Marktplatz hinweggegangen und ist dann hinter den Häusern am Markt runtergekommen.
00:04:50: Und dann ist der ganze westliche Teil der Altstadt abgebrannt.
00:04:54: Wer das weiß, sieht Warndorf's damalige Wunden auch heute noch.
00:04:58: Denn die ganz alten Häuser stehen nur im Ostteil der Altstadt.
00:05:03: Alfred Schmischalla schafft es innerhalb von Sekunden, die Epoche zu wechseln.
00:05:07: Der Nachlass einer bekannten Warendorfer Künstlerin des Frühens, will noch Aufmerksamkeit.
00:05:13: Den haben die Altstadtfreunde vor Kurzem erst gerettet.
00:05:16: Die Putzfrau hat uns Samstagsmorgens angerufen und hat gesagt, da liegt was auf der Erde, das können sie haben.
00:05:22: Kommen sie doch mal vorbei und gucken sich das an.
00:05:25: Wir haben sofort mein Auto mindestens dreimal vollgepackt und alles gesichert.
00:05:29: Und das sind wunderbare ... Aquarelle, Vorzeichnungen, alles, was Elik Ritzner so vorbereitet hatte.
00:05:37: Es wäre eine halbe Stunde später, wäre es im Müll gelandet und wäre weg gewesen.
00:05:43: Geschichten wie diese werde ich noch öfter hören.
00:05:46: Die Allstadtfreunde Warendorf sind schon mal eine Art Rettungsdienst in Sachen Stadtgeschichte.
00:05:52: Die Idee ist aber nicht nur, all die Dinge zu sammeln, sondern sie mit Samt ihrer Geschichten lebendig zu halten und einem breiten Publikum zugänglich zu machen.
00:06:01: Und das in diversen historischen Häusern Warndorf.
00:06:04: Und da kommt dann auch die NRW-Stiftung ins Spiel mit einer ganzen Reihe von Förderungen.
00:06:09: Noch bevor meine eigentliche Führung durch das dezentrale Stadtmuseum überhaupt angefangen hat, ahne ich, dass Alfred Schmischalla mit seinem Satz...
00:06:18: Sie verpassen
00:06:18: immer was in Warndorf.
00:06:20: kein bisschen übertrieben hat.
00:06:22: Ich bin gespannt auf die nächsten Stationen und den Blick hinter die Fassaden, aber erst mal gibt es Besuch im Förderbandestudio.
00:06:33: Und das ist vom Verein der Altstadtfreunde Warendorf.
00:06:36: Heute Christina Kostas bei mir.
00:06:38: Sie gehört auch zum Vorstandsteam, ist studierte Volkskundlerin und sie wohnt gewissermaßen mitten in diesem Warendorfer-Geschichtsprojekt.
00:06:46: Ganz herzlich willkommen.
00:06:47: Vielen Dank, Frau Backe.
00:06:48: Hallo.
00:06:49: Wie lebt es sich denn in der wahren Dorfer Altstadt quasi mitten im Museum?
00:06:54: Also ich finde das ganz wunderbar.
00:06:55: Wir sind da eher zufällig gelandet.
00:06:57: Wir wohnten erst im Norden und da wurde was frei, wo man arbeiten und wohnen konnte.
00:07:02: Und dann sind wir dann richtig schön ins Herz des Ostviertels an den Schweinemarkt gekommen und atmen Geschichte und lieben das sehr in unserem kleinen, verbündenden... Krummenhäuschen.
00:07:14: Sie
00:07:14: sagen Atmen.
00:07:16: Man kann es nicht ignorieren.
00:07:18: Man nimmt es jeden Tag auf.
00:07:19: Nein, man geht vor die Tür und guckt auf den Kirchturm und sieht diesen kleinen Schweinemarkt, der wirklich als Markt damals auch funktioniert hat mit der Wassapumpe.
00:07:29: Die Klosterstraße, wenn man da einbiegt, sieht man im Grunde vor dem inneren Auge noch die Milchmädchen mit ihren Zöpfen und die Milchkannen da stehen.
00:07:38: Und ich genieße das sehr.
00:07:39: Und
00:07:40: jede Geschichte und jeder Name ist ein kleiner Kosmos für sich.
00:07:43: So viel habe ich auf jeden Fall gelernt, dass ich da war.
00:07:46: Es wird Zeit eines zu klären.
00:07:48: Was ist überhaupt ein dezentrales Stadtmuseum und wie funktioniert das?
00:07:53: Die meisten Städte haben ja einen... Stadtmuseum, da geht man dann hin und kann so einmal durch die ganze Stadtgeschichte galoppieren und sich hier und da mal aufhalten.
00:08:04: Die Idee beim dezentralen Stadtmuseum ist natürlich, dass erstmal diese Stadt ganz anders erfahrbar ist, wenn man zu Fuß durch diese Stadt geht und erlebt, wo diese Häuser stehen, was für Nachbarhäuser sind da vielleicht?
00:08:16: und so kann man auch viel besser verstehen, wie das soziale Gefüge war.
00:08:19: Wo lebten die reichen Leute?
00:08:20: Wo lebten die Arbeiter?
00:08:22: Wie sehen die Straßen aus?
00:08:23: Sind sie breit?
00:08:24: Sind sie schmal?
00:08:25: Fällt Licht in einen Hinterhof oder nicht?
00:08:28: Und es hat einen ganz großen Reiz auch für Besucher, dass sie in die Häuser reindürfen.
00:08:34: Es ist sowas private, sowas intimes.
00:08:36: Wenn man in so ein Arbeiterhäuschen geht, in so einen Gardemen und dann gesagt bekommt, ihr habt zwei Familien auf diesen paar Quadratmetern gewohnt, dann ist das einfach ein ganz anderes Erlebnis, als wenn man ein Foto ... in einem Stadtmuseum sieht.
00:08:48: Und das ist halt das große Glück, dass wirklich so viele Objekte so nach und nach dafür aufbereitet werden konnten.
00:08:54: Wie viele
00:08:54: Häuser sind es?
00:08:56: Ja, es sind mittlerweile sechs Häuser.
00:08:58: Ein Gadeem, wo wirklich Arbeiter gewohnt haben.
00:09:01: Gadeeme sind so kleine Arbeiterhäuschen, wo aber auch zum Beispiel Witben gewohnt haben oder unverheiratete Frauen auf jeden Fall.
00:09:08: eher Leute mit so einem prekären Hintergrund.
00:09:11: Wir haben aber auch ein klassizistisches Bürgerhaus.
00:09:13: Das historische Rathaus ist natürlich auch Teil des Dezentralen Stadtmuseums.
00:09:18: Das Torschreiberhaus dokumentiert eben, was erforderlich war, wenn man damals in so eine Stadt wie Warndorf hinein wollte und vielleicht sogar Waren handeln wollte.
00:09:27: Das Ganze wurde dokumentiert und man musste auch etwas dafür bezahlen, auch wenn man abends nach der Sperrstunde die Stadt verlassen wollte.
00:09:34: musste man sich da in eine Liste eintragen, das war alles reglementiert.
00:09:39: Eine Fabrikantenwille haben wir, das Zigarrenmacherhaus, wo eine Familie gewohnt hat, wo tatsächlich unterm Dach eine kleine Werkstatt war, wo Zigarren gedreht wurden.
00:09:49: Und um das Ganze zu krönen, das sind sechs Objekte, aber auf der alten Stadtbefestigung gibt es eine Promenade.
00:09:56: die ebenfalls so eine Klammer setzt um dieses dezentrale Stadtmuseum, wo man auch noch mal viel erfährt über Objekte, die links und rechts sind und ein bisschen nachvollziehen kann, wie Warndorf gewachsen ist und wie das Gefüge war.
00:10:10: Und wie funktioniert es, wenn ich jetzt sage, ich möchte gerne drei dieser Häuser z.B.
00:10:14: besuchen, kann ich da einfach anklopfen?
00:10:16: Diese Häuser müssen natürlich eine Aufsicht haben und es ist alles ehrenamtlich und wir schaffen es im Moment.
00:10:22: viele der Häuser offen zu halten am Sonntag.
00:10:24: Sonntags von fünfzehn bis siebzehn Uhr können sie in die Häuser hineingehen, vor allem in die wichtigsten ins Gadeem, in das klassische Bürgerhaus, ins Museum.
00:10:33: Ansonsten kann man das immer nach Absprache machen.
00:10:36: Wir haben ja auch eine Touristeninformation in Warndorf, wo man immer sich melden kann und sagen kann, wir kommen nach Warndorf, was ist möglich, welche Häuser können geöffnet werden.
00:10:45: Dann findet sich jemand, der den Schlüssel hat.
00:10:47: So
00:10:47: ist das.
00:10:48: Okay, wie schön.
00:10:49: Der Verein, den gibt es seit den Jahren und am Anfang stand ein Protest gegen die damals übliche Stadtplanung.
00:10:55: Es hat also ein bisschen revoluzerisch angefangen.
00:10:58: Ja, es waren natürlich andere Zeiten, solche Stichworte wie die autofreundliche Stadt, Schwierten herum.
00:11:04: Und man braucht immer genug Abstand zu den historischen Bauten, um sie überhaupt wertzuschätzen.
00:11:11: Und es war damals so, dass es nicht besonders schick war, in der Altstadt zu wohnen.
00:11:15: Die Häuser waren teilweise in einem schlechten Zustand und da war abreißen.
00:11:19: leichter, billiger, man wollte auch was Modernes vielleicht.
00:11:23: Was ja so erstaunlich ist, weil Warndorf kaum zerstört war durch den Zweiten Weltkrieg, was ja ein großer Schatz ist, wie man heute weiß.
00:11:30: Genau, so aus der Retrospective sieht man das, was für ein enormes Glück das war und wie Warndorf da auch heraussteht im Münsterland und in Ost-Westfalen.
00:11:39: Aber damals war es wirklich so, man hatte zum Beispiel die Straße Ostwall, wo ganz viele kleine Häuschen waren, die in einem schlechten Zustand waren und man hat diese Ja, diese Vision nicht gehabt, der toll restaurierten alten Häuser, der historischen Altstadt.
00:11:54: Man hat sich irgendwie nicht gefühlt wie Rothenburg auf der Taube.
00:11:58: Und da wurde zum Beispiel eine ganze Häuserzeile abgerissen.
00:12:02: Und dann kam aber die Altstadtfreunde mal
00:12:04: endlich.
00:12:04: Ja, und das war aber nur ein Punkt.
00:12:06: Es wurde eine große Villa am heutigen See abgerissen, die eigentlich von den Bürgern auch geliebt wurde.
00:12:14: Und als die abgerissen wurde, ging wirklich so ein Aufschrei auch durch die Stadt.
00:12:18: Und als dann auch noch eine Straße, eine schöne, bequeme, autofreundliche Straße quer durch die Altstadt gebaut werden sollte.
00:12:27: Und dafür auch wieder einige historische Häuser abgerissen werden sollte.
00:12:30: Da hat sich aus dem Heimatverein heraus diese Gruppe der Altstadtfreunde gegründet, um da ein Gegengewicht einfach zu setzen.
00:12:37: Und ganz aktiv, das war so ein bisschen das Spannende den Leuten.
00:12:40: zu zeigen, was sie eigentlich für ja, für Juwelen in der Stadt liegen haben.
00:12:44: Und dann begann man direkt Hand anzulegen, Häuser zu restaurieren, um den Leuten zu zeigen, wie toll es auch ist, in so einem Denkmal zu wohnen und dass man damit auch nicht alleine dasteht.
00:12:55: Man kann ja Hilfen beantragen, die Altstadtfreunde haben immer mit Hand angelegt und irgendwelchen Putz abgehauen und
00:13:02: und fachsackfrei gelegt.
00:13:03: Genau.
00:13:03: Und das war so der der Ansatz durch praktische Beispiele, die Leute davon zu überzeugen, dass es sich lohnt.
00:13:10: diese Häuser zu erhalten.
00:13:11: Das heißt, um es kurz zusammenzufassen, gäbe es die Altstadt-Freunde-Wahrendorf nicht, hätten wir heute eine völlig andere Stadt.
00:13:19: Das kann man wohl so sagen.
00:13:20: Also vor allem die Straßenführung wäre ganz anders gewesen und
00:13:24: dann viel wäre weg.
00:13:27: Wie viele Mitglieder haben Sie?
00:13:27: Das hört sich jetzt eigentlich so an, als müssten Sie mindestens tausend sein.
00:13:30: Das wäre total schön, wenn das tausend aktive Mitglieder wären.
00:13:34: In Wirklichkeit haben wir so um die dreihundert Mitglieder, von denen natürlich nicht alle aktiv sind.
00:13:39: Ich habe
00:13:40: viele kennengelernt, die irgendwas mit Volkskunden Geschichte zu tun hatten und richtig Ahnung hatten oder sich drauf geschafft haben, Sütterlin zu lesen und solche Dinge dann zu können.
00:13:51: Kann man auch ohne dieses Fachwissen mitmachen?
00:13:53: Ja klar, da kann sich jeder einbringen in dem Verein.
00:13:56: Das fand ich so toll, als ich ihn kennengelernt habe, dass wir so eine Fülle an Aufgaben haben, dass eigentlich für jeden was dabei ist.
00:14:02: Ob man jetzt was kurzfristiges sucht oder was langfristiges, egal ob man fachlich irgendwie ein Hintergrund hat, der einen da reinzieht oder ob man einfach nur für einen Gartenkonzert ein bisschen Wein ausschenken möchte.
00:14:14: Es ist für jeden was da und die einen lieben eher die Konzerte, die wir durchführen und andere werkeln total gerne.
00:14:20: Die sind immer, wenn es was Handwerkliches gibt dabei.
00:14:23: und die nächsten schreiben Bücher, also wie jeder so ein bisschen wie er es kann.
00:14:27: Die NRW-Stiftung kann fördern.
00:14:30: Das tut sie
00:14:31: bei den Altstadtfreunden auch schon seit ... ... und hat sich da sehr mit den Altstadtfreunden und dem Heimatverein verbunden.
00:14:39: Insgesamt sind es weit über ... ... und eines der frühen Projekte, Sie haben es auch schon erwähnt, ist das sogenannte GARDEM.
00:14:47: Ein kleine Leutehaus
00:14:48: mit
00:14:49: langer Geschichte.
00:14:50: Das hat der Verein gekauft und restauriert und ich hab's bei meinem Besuch ansehen dürfen.
00:15:02: Ein weiß verputztes Haus mittig die Holztür.
00:15:05: Fünf Fenster in der Fassade wirken etwas schief, vermutlich weil sie nicht symmetrisch zueinander sind.
00:15:11: Süß klingt die Adresse.
00:15:12: Zucker, Timpen, vier.
00:15:14: Die Namensherkunft ist nicht ganz geklärt.
00:15:16: Auch das Wort Gardemen lässt mehrere Interpretationen zu.
00:15:20: Wir wissen aber, dass die Gardeme sich unterscheiden von den Bürgerhäusern, weil in Gardemen Menschen wohnen, die damals kein Bürgerricht hatten.
00:15:28: Deswegen konnte das Haus ja auch nicht Bürgerhaus genannt werden.
00:15:31: Es gab also Bürger, die in Bürgäuser wurden und Gardema, die in Gardema wurden.
00:15:35: Lawrence Sandmann ist Hausforscher, Historiker und seit der Gründung bei den Altstadtfreunden Warendorf.
00:15:44: Heute als erster Vorsitzender.
00:15:46: Gehen wir rein.
00:15:47: Er kennt jedes Detail, jede Geschichte.
00:15:54: Wenn man hier reinkommt, sperrliches Licht.
00:15:56: Und das Licht haben wir sehr stark reduziert, dass man nicht fällt.
00:15:59: Aber wir wollten noch nicht zu viel machen.
00:16:01: Zu dieser Jahreszeit war das auch nicht heller, eher noch dunkler.
00:16:05: Weil die Lichtquellen waren immer nur da, wo gerade mal die Petroleum dann bestand.
00:16:09: Und die nahmen wir dann auch mit von einem Raum in den anderen Raum.
00:16:25: Ein
00:16:25: Lokomotivputzer mit seiner Familie und ein Gelegenheitskutscher mit seiner Familie.
00:16:31: Beide verdienten sehr, sehr wenig Geld.
00:16:33: Deswegen konnte der damelige Besitzer sich das Haus auch gar nicht leisten.
00:16:37: Und deswegen musste er Räume untervermieten.
00:16:40: Und wir stehen jetzt hier tatsächlich in dieser Flur-Diele.
00:16:44: Es ist breiter als ein Flur, aber nicht so breit wie eine große Diele.
00:16:49: Der Boden besteht aus Steinplatten.
00:16:51: Links und rechts gehen zwei kleine Räume ab und, ganz prominent im Flur, ein Guseisener Ofen, der mit Holz oder Kohle befeuert wird und wärmender Mittelpunkt des Hauses war.
00:17:02: Dieser Ofen funktioniert auch.
00:17:04: Es gibt Tage, wo hier Wäsche gewaschen wird.
00:17:06: Das wird Tage, wo hier drauf gebacken wird.
00:17:08: V.a.
00:17:08: Kinder finden das immer so spannend, wie lange das dauert, bis man noch was zubereitet hat.
00:17:13: Aber irgendwie auch gemütlich, das war es natürlich damals nicht, sondern eher ungemütlich, aber eben zweckmäßig.
00:17:19: Dass die Dinge, ob Ofen, Tischdecke oder Petroleumlampe damals wirklich so hier standen, ist übrigens verbürgt.
00:17:25: Wir haben tatsächlich noch ein Zeitzeugen.
00:17:28: der nämlich als fünfjähriger ausgezogen ist.
00:17:30: Aber ein ganz wesentlicher Ding konnte sich erinnern.
00:17:32: Zum Beispiel, ob es hier Strom gab oder nicht.
00:17:35: Nein, er sagt, es gab nur Petroleum.
00:17:37: Und sein Papa wäre so stolz gewesen, dass in ihrer guten Stube eine Gaslampe hing.
00:17:43: Das war er total stolz auf, dass er die hatte.
00:17:45: Andere Leute hatten sehr wohl schon Strom und auch fließend Wasser.
00:17:49: Aber hier im Gadem musste man sich anders helfen.
00:17:52: Wasser gab's aus der Schwängelpumpe auf der Straße.
00:17:56: Jeder Raum ist komplett eingerichtet.
00:17:58: Mal sitzen ein Mann und eine Frau bei einer Tasse Tee.
00:18:01: Im nächsten Raum ist für vier Personen gedeckt.
00:18:04: Die Familien haben zwar unter einem Dach gewohnt, aber gelebt, wurde getrennt.
00:18:09: Das erzählen auch die vielen kleinen Details im Haus.
00:18:12: Die waren zu Beginn natürlich noch nicht so da.
00:18:15: Wir hatten weder ein Möbel, noch eine Tasse, noch sonst etwas.
00:18:18: Es gab aber wunderbare Schwarz-Weiß-Fotos aus dem Archiv.
00:18:23: Der Landesversicherungsanstalt, die in den letzten Jahren die ärmsten Zustände durchfotografiert haben, in Westfalen.
00:18:28: Die haben wir uns angeguckt und danach haben wir Gegenstände gesucht.
00:18:32: Wir haben einen Aufruf in der Bevölkerung gemacht und haben sich weit und breit in Warndorf, aus Warndorf Menschen gemeldet und wir haben es total gewundert, wieviel Leute sich da melderten.
00:18:42: Das Anliegen der Altstadtfreunde trifft offenbar einen Nerv bei den Leuten.
00:18:46: Jeder hat noch etwas im Keller oder im Schrank.
00:18:49: Manches wartet Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte auf den richtigen Moment, um endlich zu neuem Glanz zu kommen.
00:18:56: Ich zeige dir mal ein ganz tolles Stück.
00:18:59: Jetzt haben wir hier ein gusseiseres Teil.
00:19:02: Das sieht erst mal aus.
00:19:04: Es ist kreisrund.
00:19:05: Ungefähr dreißig Zentimeter Durchmesser.
00:19:08: Es gibt eine Klappe, die man öffnen kann.
00:19:10: Und was kommt hier rein?
00:19:11: Hier kommt Kaffee rein.
00:19:13: Kaffeebohnen.
00:19:14: Nein, das ist eine Röstmaschine.
00:19:15: Ganz
00:19:15: genau.
00:19:16: Hier wird Kaffee geröstet.
00:19:18: Kaffee war früher sehr, sehr teuer.
00:19:19: Konnte sich auch viele nicht leisten, aber als Bohnen vielleicht noch.
00:19:22: Und da musste man sich das halt selber rösten.
00:19:25: Und da gibst du eine Vorrichtung noch dran,
00:19:27: dass man
00:19:28: das auch schön drehen kann.
00:19:29: Vermutlich haben sich mehrere Haushalter so ein Gerät geteilt, meint Lawrence Sandmann, der hier mit großer Leidenschaft zu jedem Stück die Geschichte erklärt.
00:19:38: In
00:19:38: diesem Gebäude sind etwa dreitausend Exponate, vom Fingerhut bis zum Schrank oder bis zur Seife.
00:19:44: Das Museum soll lebendig sein und zum Anfassen, denn jedes Stück begreift man am besten in seinem Zusammenhang.
00:19:51: Das ist hier im Gadem, im Kleinen so, aber auch in der Warendorfer Altstadt insgesamt.
00:19:56: Hier kann man wirklich aus allen sozialen Schichten Gebäude sehen.
00:20:00: Man sieht Straßenzusammenhänge, man begreift die Geschichte.
00:20:03: In sechshundert Jahren kann man immer was erzählen und auch immer das sehen, was man erzählt.
00:20:08: Das ist auch ein der Nährboden für das Dezentrale Stadtmuseum.
00:20:11: Was ja nichts weiter ist als ein freilich Museum, nur anders als auf der Grünwiese.
00:20:14: Die meisten Häuser werden dann transduziert, bleiben die Häuser an dem Ort und in dem Kontext.
00:20:21: Das ist übrigens auch etwas, das die NRW-Stiftung besonders begeistert.
00:20:24: Man steht in authentischer Geschichte und kann immer sagen, genau hier an der Stelle war das immer schon so.
00:20:29: Hier
00:20:29: stand das Haus, hier haben die und die gelebt.
00:20:31: Heute nicht mehr, heute ist es derart.
00:20:33: Sowieso, früher war es vielleicht die Dame so und so.
00:20:36: Aber dieses Haus hat hier immer gestanden und es hat über die Jahrhunderte seine Geschichte gewahrt.
00:20:41: Mona Weling leitet die Abteilung Heimat und Kulturpflege und erinnert sich, dass es der Stiftung ein besonderes Anliegen war, die Geschichte dieses Gadeems zu bewahren.
00:20:52: dass man eben nicht nur über die Reichen und ihre schönen Häuser und Hinterlassenschaften spricht, sondern auch über das, was die kleinen Leute erlebt und hinterlassen haben und unter welchen Umständen sie leben mussten.
00:21:09: Zurück im Förderbandestudio, wo Christina Kostas vom Verein Allstadtfreunde Warendorf ja gerade mitgehört hat.
00:21:16: Jetzt auch beim hören ist mir noch mal so klar geworden, was für eine Arbeit da in jedem Detail drinsteckt.
00:21:22: Und das gar dem ist ja nur eins von den Häusern, die sie bespielen.
00:21:25: Sind es irgendwann Selbstläufer diese Häuser?
00:21:28: oder wie lässt sich der Museumsbetrieb managen?
00:21:32: Sie haben gehört, wie viel Arbeit das ist, aber sie haben ja bestimmt auch wahrgenommen, wie viel Freude und Begeisterung, weil auch uns Sandmann in der Stimme lag.
00:21:39: Und so geht es vielen von uns.
00:21:40: Also es wird mit viel Idealismus daran gegangen und natürlich ist es schwierig, die Museen jetzt zum Beispiel täglich zu öffnen.
00:21:47: Das liegt daran, dass man immer mal wieder Leute findet, die Zeit haben, sich punktuell zu engagieren.
00:21:53: Aber es ist sehr schwierig, Menschen zu gewinnen, die tatsächlich eine Regelmäßigkeit gewährleisten können.
00:21:59: Das heißt, es ist immer ein bisschen auf Kante genäht.
00:22:02: Es ist eigentlich immer, hat man mehr Ideen, als man Zeit und Arbeitskraft hat, sie umzusetzen.
00:22:07: Aber alle, die dabei sind, sind mit Herzblut dabei und mit Überzeugung dabei.
00:22:11: Und wir haben eben gehört, dass im Gerdem auch gebacken wird.
00:22:14: Also zum Beispiel kann Freitag werden strufen gebacken und dann kommen Familien mit den Kindern und holen sich dieses relative Ostagebeck.
00:22:21: Und es macht einen Freude.
00:22:23: Immer da, wo Menschen zusammenkommen, hinter dem Gardehm gibt es einen kleinen Garten, der soll jetzt auch ein Begegnungsgarten werden, dass man sich da wirklich treffen kann, dass man da verweilen kann, dass man in der Stadt ein frisches Plätzchen unter Bäumen findet.
00:22:35: Das füttert dann die Motivation und die, die dabei sind, haben dann ... Auch Spaß bei der Arbeit.
00:22:41: Ja, genau.
00:22:42: Und Laurens Sandmann hat ja eben gesagt, man kann alle sozialen Schichten sehen und auch erleben.
00:22:47: Vielleicht sprechen wir mal über die Häuser der Reichen.
00:22:49: Sie haben das ja vorhin auch schon kurz erwähnt.
00:22:50: Und ich war zum Beispiel auch in der Klosterstraße sieben, dem Haus eines gewissen Dr.
00:22:55: Katzenberger.
00:22:56: Auch da ist ja eine bestimmte Zeit eingefroren.
00:22:59: Vielleicht nehmen Sie uns mal dahin mit.
00:23:01: Es gibt einen Raum, den sollten wir definitiv
00:23:03: kennenlernen.
00:23:04: Den müssen wir besprechen.
00:23:05: Ja, das ist natürlich auch so das Aushängeschild, ehrlich gesagt, des Museums.
00:23:09: Man kommt in diese klassizistische Villa durch einen schönen klassischen Eingang und ahnt noch gar nicht, wenn man im Flur steht, was gegenüber hinter der großen Salon-Tür sich befindet.
00:23:21: Man sieht zwar schon, dass da so Schnitzereien über der Tür sind und dass der Sturz besonders gestaltet ist, sondern macht man diese Tür auf und kommt in einen ovalen Gartensaal, der komplett bestückt ist ringsum mit einer Bildtapete, die ... von Hand in Paris gedruckt wurde.
00:23:37: Und dann steht man da erstmal und fragt sich, wie kommt diese Torpete in das kleine Waren-Dorf?
00:23:44: Und wenn man sich dann umschaut und sieht, was da abgebildet ist, nämlich die Eroberung des Inkarreiches, zwar nicht historisch fundiert, sondern basierend auf einem französischen Roman, aber man sieht im Grunde die Ankunft der Spanier, man sieht die Botanik, die sehr exotisch ist, man sieht Gebäude, die sehr exotisch ist, man sieht Menschen, die wahnsinnig... und schillernd gekleidet sind.
00:24:05: Und dann hat man erst mal viele Fragezeichen im Kopf.
00:24:09: Aber wenn man dann weiter ... Was wollte Herr Katzenberger?
00:24:11: Das ist ja das Tolle, wenn man in so einem Museum geht und erst mal hat man so ganz viele Fragen.
00:24:17: Das ist ja ein super Einstieg.
00:24:20: Wir sind ja, um das kurzzeitig zu verordnen, im neunzehnten Jahrhundert.
00:24:23: Irgendwann, in den Eighteenhundert, zwanziger, dreißiger, vierziger Jahre hat er da gelebt.
00:24:26: Die Tapete ist grad zweihundert Jahre alt.
00:24:29: Die ist von Eighteenhundert, dreinzwanzig, vierundzwanzig.
00:24:31: Und damals war es super modern, sich mit diesen ganzen exotischen Dingen zu beschäftigen.
00:24:38: Sei es jetzt Südamerika.
00:24:40: In Asien, China war wahnsinnig unwog und wer was auf sich hielt, hat sich eben auch mit diesen Dingen umgeben.
00:24:46: Und in dem Fall war es tatsächlich so, dass Herr Katzenberger ... dass sich diese Tapete geleistet hat und im Nachbarraum eben zu einem Thema aus der griechischen Mythologie auch noch mal so eine Tapete geleistet hat.
00:24:57: Und das hatte sicher repräsentative Zwecke.
00:25:00: Das war Mode.
00:25:01: Und diese Tapete nach Warnendorf zu holen, war schon so ein gewagtes Experiment.
00:25:06: Aber es ist eigentlich, ist es überdimensioniert für so ein Städtchen wie Warnendorf.
00:25:10: Ja, und ich meine, es gibt zwei Sachen.
00:25:12: Der Dr.
00:25:12: Katzenberger hat dieses Motiv so sehr geliebt, dass er sich auch noch die Sonne über die Tür hat zimmern lassen.
00:25:18: Und, was man ja auch mal sagen muss, zweihundert Jahre so eine Tapete an der Wand zu lassen.
00:25:22: Wer macht das?
00:25:23: Genau, das ist das Besondere eigentlich daran.
00:25:26: Es gab in Warndorf noch mehrere Bildtapeten, die es eben nicht geschafft haben über die Zeit, die entweder den Leuten nicht mehr gefallen haben.
00:25:34: Oder es war halt unpraktisch, weil wo stelle ich den Schrank hin vor den Inkerpalast, weiß ich nicht.
00:25:40: Oder sie wurden halt... in Stücke geschnitten und woanders angebracht, in einem Treppenhaus zum Beispiel.
00:25:45: Und dass sich diese Tapete so lange halten konnte.
00:25:49: Am Originalort, wo sie auch angebracht wurde, liegt einfach an den Bewohnern dieses Hauses.
00:25:54: Dieses Haus war nicht immer in Familienbesitz.
00:25:55: Das hat die Familien gewechselt und trotzdem haben alle so viel Wertschätzung für diese Tapete gehabt, dass sie über die Zeit überdauern konnte und dass wir sie heute noch uns ansehen können.
00:26:04: Und auch hier hat sich die NRW-Stiftung an der Restaurierung beteiligt.
00:26:07: Wir hören noch mal Mona Willing.
00:26:09: Das habe ich vorher noch nie gesehen in dieser unglaublichen Pracht, in einem privaten Ambiente, also wenn man Bilderpäten sieht oder so.
00:26:17: Na ja, gut, die sind dann meist auf Leder, aber man assoziiert Schlösser, Adelshäuser, sagen wir mal so.
00:26:23: Aber dass sozusagen ein Bürgerhaushalt auch darin investiert hat, um so zum Ausdruck zu bringen, welchen Stand er hatte,
00:26:32: das
00:26:32: hat mich einfach umgehauen.
00:26:34: Und vor dieser berühmten Tapete finden ja heute regelmäßig Konzerte und Lesungen statt.
00:26:40: Und da habe ich mich gefragt, Frau Kostas, wie schafft man es eigentlich, das ganze Setting zu schützen, so ein Museum zum Anfang?
00:26:47: bückt ja auch einige Risiken.
00:26:48: Ja, zumal da auch Trauung stattfinden, mit Gästen, die jetzt nicht kommen, weil sie historisch interessiert sind, sondern einfach weil sie eine Hochzeit fassen.
00:26:58: Aber es klappt eigentlich ganz gut, weil klar ist, wenn man diesen Raum betritt, dass es was Besonderes ist und dass man dann nicht mit den Händen an die Tapeten geht und versucht den Stuhl ein bisschen von der Wand weg zu rücken und nicht den Kopf anlehnt an der Wand, das funktioniert schon ganz gut.
00:27:11: Natürlich muss man auf die Temperatur achten, auf die Luftfeuchtigkeit, aber bis hin... Ja, toll, toll, toll.
00:27:18: Hat alles gut geklappt und sie ist noch in einem guten Zustand.
00:27:21: Und klar, alle paar Jahrzehnte muss man da vielleicht mal den Restauratoren kommen lassen oder die Restauratoren, die dann da nochmal schauen, dass das alles in Ordnung bleibt.
00:27:31: Es ist jedenfalls sehr, sehr besonders, sich in diesem Raum aufzuhalten und apropos Restaurieren.
00:27:37: Bei meinem Besuch habe ich ja noch ein bisschen Abendstimmung eingefangen.
00:27:40: Kurz vor der musikalischen Lesung wurde aber erst mal noch ein bisschen gewerkelt und am nächsten Projekt Sie verhübschen Säulen.
00:27:49: Genau, das ist eine
00:27:50: Tür.
00:27:51: Die kommt hier vor die kleinen Regale von
00:27:52: der anderen Seite
00:27:53: und verdeckt das, was im Schrank ist.
00:27:56: Der ganze Schrank war in einer Apotheke.
00:27:58: Von den Besitzern ist er
00:27:59: gespendet worden an die Altstadtfreunde.
00:28:01: Wir haben ihn vor einigen Wochen mit Vereinten Kräften abgeschliffen und jetzt dreimal gestrichen.
00:28:08: Dann hat man festgestellt beim Abschleifen,
00:28:10: dass eben die Basis und das Kapitel goldfarbend waren.
00:28:15: Deswegen streichen wir uns auch wieder Gold.
00:28:17: Bettina Salamann gehört auch zum Verein.
00:28:19: Sie ist gebürtige Warendorferin und liebt es, Menschen für diesen Ort zu begeistern.
00:28:23: Was einfach schön ist, ist, wenn Leute hier reinkommen und man kann ihnen erklären,
00:28:27: was die Besitzer,
00:28:28: die verschiedenen Besitzer, wie die das Haus verändert haben und warum sie es verändert haben, was ihr nutzen war.
00:28:34: Heute nutzt der Verein den Gartensaal in der Klosterstraße sieben, um das Warendorfer Publikum auf eine musikalische Lesereise einzuladen.
00:28:42: Himmelblau,
00:28:43: Himmelblau.
00:28:49: Arbeitest
00:28:49: du
00:28:50: am
00:28:50: Himmelblau?
00:28:51: Das fragte
00:28:52: ihm die Sonne.
00:28:54: Ja,
00:28:54: sagte er und schaut schlau.
00:28:57: Ich
00:28:57: arbeite mit
00:28:58: Wonnen.
00:28:59: Hubertus A. Jansen und Andreas Yesing nehmen das Publikum schnell mit in die Geschichte eines verliebten Dichters, der leider pechert beim Zustellen seiner Liebeslürik.
00:29:10: Die Stimmung ist gut und die bedeutungsvolle Tapete hält sich vorübergehend dezent im Hintergrund.
00:29:16: Sie weiß ja, dass ihre Sonne in diesem Haus in Warnendorf gar nicht untergehen kann.
00:29:25: Frau Kostas, man könnte jetzt meinen, die Allstadtfreunde Warnendorf haben.
00:29:29: Alles, was sie brauchen, vielleicht noch ein bisschen Nachwuchs wäre ganz schön.
00:29:33: Aber runter kann es ja eigentlich gar nicht laufen.
00:29:35: Aber ich weiß, sie haben schon noch andere Wünsche, sogar recht raumgreifende Wünsche, oder?
00:29:40: Ja, wir versuchen natürlich, dieses dezentrale Stadtmuseum zu erweitern.
00:29:44: Und wir haben ja eben drüber gesprochen.
00:29:45: Wir haben Wohnhäuser, verschiedene Art.
00:29:48: Aber was es in Warndorf auch immer gab, waren Wirtschaftsgebäude und gar nicht so wenige.
00:29:54: Oft stand vorne an der Straße das Haus und das waren lange Grundstücke.
00:29:59: Und auf der Rückseite dieses Grundstücks war dann zum Beispiel eine Scheune, die aber an einer anderen Straße lag.
00:30:06: Und da gibt es eine sehr schöne Scheune, die ein tolles Beispiel für diese Zeit ist im neuen Hof, wo man ganz viel ablesen kann, auch Warendorf als Garnison statt.
00:30:14: Da wohnten Soldaten, da wohnte der Knecht.
00:30:17: bei den Pferden.
00:30:18: Und das konnten wir alle schon rausfinden und diese Scheune auch zugänglich zu machen für das Dezentrale Stadtmuseum, aber eben auch sie zu nutzen als Ortebegegnung, als Werkstatt, als vielleicht auch Magazin für die Exponate.
00:30:32: Sie brauchen
00:30:32: Platz für ihre Werken.
00:30:34: Ja, das wäre toll, genau.
00:30:36: Und die Arbeiten haben begonnen, aber auch da braucht man Mittel und Mitarbeiter.
00:30:41: Und genau, das ist eins unserer... kommenden Projekte.
00:30:44: Was
00:30:44: die Mittel betrifft, habe ich schon mal ein bisschen vorgefühlt.
00:30:47: Und ich glaube, da Sie ja auch wissen, wie das mit den Anträgen geht, sehe ich eine gute Zukunft.
00:30:52: Christina Kostas vom Verein Altstadtfreunde Warnendorf.
00:30:55: Schön, dass Sie hier waren im Förderbandestudio.
00:30:57: Danke für Ihren Besuch und nehmen Sie bitte ganz viele Grüße mit nach Warnendorf.
00:30:59: Mache ich gerne, vielen Dank, dass ich hier sein durfte.
00:31:02: Danke auch an alle, die uns zugehört haben.
00:31:04: Empfehlen Sie unseren Podcast gern weiter.
00:31:06: Wir freuen uns natürlich auch über Feedback.
00:31:08: Und wenn Sie mehr von der NRW-Stiftung wissen wollen, näher ran möchten.
00:31:17: Das war's.
00:31:36: Förderbande.
00:31:38: Ein Podcast der NRW-Stiftung
00:31:40: Naturschutz,
00:31:41: Heimat
00:31:42: und Kulturpflege.
00:31:47: Mit Maria Bakker.
00:31:51: Produziert
00:31:52: by Sounds Fresh.
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